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 | alex [a.schmidt11@gmx.de] am 27.03.03 um 17:22 Uhr |
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hallo leute,
ich sah den film schon vor einiger zeit. ein beitrag im focus machte mich auf dieses forum aufmerksam.
ich fand den film gut, aber selten lustig. viel öfter traurig. das lag sicher auch an der hintergrundmusik.
ich meine, der film zeigt NICHT, dass die DDR besser war oder einfach nur "gut war". für mich zeigt der film vor allem, welche chance vertan worden ist. die chance sozialismus zu verwirklichen. einen sozialismus, für den die mutter steht, aber keinen sozialismus, wie ihn die DDR-Oberen praktizierten. "diese DDR" ist zurecht untergegangen und ich sage trotzdem: leider!
eine schlüsselszene war für mich das gespräch zwischen dem ex-direktor und dem sohn, wo der ex-direktor auf den vorwurf, man habe seine mutter "kalt gestellt", antwortete, sie sei manchen im kollektiv zu idealistisch gewesen.
aber sozialismus ist ohne idealismus nicht möglich.
tschaui |
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 | Tobi [2btobe@web.de] am 26.03.03 um 19:53 Uhr |
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Hallo ihr,
ich war wie so viele andere auch absolut begeistert vom Film und würde für mich persönlich gesprochen sogar das Prädikat "bester deutscher Film ever" ausgeben. Ich war gerührt von der Dramaturgie des Films, absolut lobenswert unterlegt mit den Melodien von Yann Tiersen.
Was mich jetzt einmal interessieren würde: Was hat es mit der Szene mit dem Küken auf sich. Ich habe in den FAQ's gelesen, dass Alex ein Küken im Supermarkt sieht oder soetwas. Bin ich bescheuert? Ist mir nich aufgefallen...
Weiterhin interessiert mich vor allem der Abspann. Die Homepage ist voll mit wichtigen Sachen für einen Filmgucker, aber der Abspann fehlt mir. Gibt es nicht eine Möglichkeit den Abspann online zu stellen, oder wenigstens das Brust-Hau-Bild, die Namen und die Liedliste online zu bringen? Beispielsweise kann man ja nicht über den Soundtrack an alles musikalische aus dem Film kommen. Beispielsweise die Nationalhymne etc. Im Abspann ist eine Liste dieser Tracks zu sehen, wer kann mir diese Liste zukommen lassen? Ich finde ausserdem, dass ein Filmabspann immer, auch als Würdigung der zahlreichen Mitarbeiter, zugänglich sein sollte. Nicht ohne Grund gibt es doch einige Filmeschauer, die bis zum Ende des Abspanns im Kino bleiben - so wie ich.
Besten Dank einstweilen für den tollen Film!
Euer Tobi |
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 | Kerstin [kerstin-s@t-online.de] am 26.03.03 um 18:31 Uhr |
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@Marie (dein Beitrag 00.23 von heute)
Auch ich habe mir Gedanken darüber gemacht, ob wohl Lara der Mutter von Alex (übrigens großartig gespielt von Katrin Sasse!!) tatsächlich klar machen kann, daß es die Mauer nicht mehr gibt. Aber eigentlich wurden sie ja im Gespräch unterbrochen, als Alex und sein Vater reinkamen. - Ich denke nicht, daß sie das voll bewußt mitbekommen hat. Es stürmte da ja gerade so viel auf sie ein. Z.B. daß sie ihren geliebten Mann nach so langer Zeit nochmal wiedersehen konnte.
Am besten gefällt mir übrigens im Film die Szene, als Alex und sein Freund (um die "Panne" mit dem Coca-Cola Werbeplakat seiner Mutter plausibel zu machen) vor dem ehem. Getränkekombinat stehen und ein fiktives Interview machen, um zu erklären, warum die DDR nun auch Coca Cola ins Sortiment eingeführt hat. :-)
Große Klasse!
Tragisch die Figur seines ehem. Lehrers! Ich kann mir gut vorstellen, daß viele ehem. überzeugten Genossen da erst mal Orientierungsschwierigkeiten hatten und in ein großes Loch vielen. Zumal, wenn sie auch noch ihren Job verloren haben und sich auf einmal wertlos fühlten. Der Schauspieler glänzte übrigens vor 1-2 Jahren (?) in dem Film "Nachtgestalten", der in Berlin spielt, als "Peschke". Auch in Good Bye Lenin ist er ein toller Darsteller!
Viele Grüße!
Kerstin |
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 | ADDI [boardcutter40@hotmail.com] am 24.03.03 um 19:08 Uhr |
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Über verschiedene Sendungen im Fernsehen hatte ich erfahren, das die (sogenannte) Komödie "Good Bye Lenin" zur Zeit der große Kinohit sei. Das erstaunte mich. Zum ersten, weil es ein deutscher Film ist und zum zweiten weil es um die DDR geht. Filmtitel und Trailer (hatte ich zuvor im Kino gesehen) verhießen allerdings nichts Gutes. Da machen sich mal wieder welche über die DDR lustig, dachte ich mir. Der Film wird wieder nur so vor Klischees strotzen. Da jedoch "Good Bye Lenin" bei den Leute so gut ankam, wollte ich mir dieses cineastische Werk nicht entgehen lassen und saß nun mit gemischten Gefühlen im Kinosessel.
Zunächst schienen sich meine Befürchtung in Sachen Klischees zu bestätigen. Vater haut in den Westen ab, Mutter wird von der Stasi genötigt, dreht durch und wandelt sich nach Psychiatrieaufenthalt unter Verdrängung privaten Kummers zur Vorzeigegenossen, die ab und an auch mal ein paar satirische Zeilen über die Mangel- und Mängelware zum besten gibt. Glücklicherweise wurde die Handlung jedoch so locker erzählt und dargeboten, daß es nicht ins Melodramatische abrutschte.
Besonders überzeugend fand ich - als gelernter DDR-Bürger (Jahrgang 66) - die Szenen zum Tag der Republik (so hieß der Feiertag offiziell) dem 7. Oktober 1989. Überall Arbeiter- und DDR-Fahnen und Titelheld Alex Kerner - in der Blütezeit seiner Jahre - im Delirium (erster wirklicher Lacher). Marschierte am Morgen noch die Nationale Volksarmee (NVA) mit viel Getöse die Allee entlang, so daß es fast das Regal von der Wand riß (verhaltener Lacher, etwas gespenstisch), sammelten sich am Abend die Demonstranten um für Pressefreiheit zu demonstrieren und wurden von der Volkspolizei (Vopos) ziemlich brutal vermöbelt und verhaftet. Anfangs kam mir diese Szene fast ein wenig zu brutal vor. Aber ich glaube es war damals so. Jedenfalls kann ich mich noch an Originalaufnahmen im Westfernsehen erinnern, die auch nicht sanftmütiger rüberkamen. Trotz kleiner Irritationen- diese Szenen sind perfekt gemacht. Genau auf den Punkt gebracht. Nichts zu viel, nichts zu wenig und absolut authentisch. Toller Schnitt. Auch der Zusammenbruch der Mutter, als sie ihren Sohn unter den Verhafteten erkannte, kam absolut glaubwürdig rüber. Gut gelungen auch der Zusammenschnitt der Wendeereignisse. Sehr typisch für die Wendezeit fand ich z.B. das Abwinken eines Fernsehzuschauers, als Egon Krenz zum neuen Staatsratsvorsitzenden gekürt wurde. Von dem erwarte keiner tiefgreifende Veränderungen in der DDR. Er war Honeckers Zögling, was sollte sich da schon ändern.
Aber dann kam doch alles anders. Das gilt auch für diesen Film. Hatte man bisher den Eindruck: Hier wird mit der DDR gründlich abgerechnet, kippte der Film urplötzlich ins Gegenteil um. Das sich die Stimmung der Ex-DDRler nach der Wende drastisch änderte, ist zwar wahr, jedoch ging dies nicht so schnell wie im Film über die Bühne. Da war viel zu viel Euphorie, Glaube an die D-Mark und Neugier im Spiel. Auch das Problem Arbeitslosigkeit war acht Monate nach der Wende noch kaum ein Thema. Ich selbst ging erst im Sommer 1990 in die sogenannte Nullzeitkurzarbeit. Das war eine Übergangsvariante zur Arbeitslosigkeit. Sie mußte damals eingeführt werden, da es noch nicht genügend Arbeitsämter mit geschulten Personal gab. Obwohl wir Kurzarbeiter nicht arbeiteten (daher Nullzeit) erhielten wir trotzdem weiter unseren Lohn in voller Höhe (!) vom Betrieb. Damals glaubte ich, daß es mit der Arbeit wohl bald weitergehen wird, wenn der Betrieb neue Abnehmer gefunden hat. Aber er fand keine und Ende des Jahres wurde ich arbeitslos. Allerdings acht Monate nach der Wende war die Welt für mich und viele andere noch in Ordnung. Unter der Wende gelitten haben wohl in erster Linie überzeugte Genossen und beliebte DDR-Künstler. Letztere waren vor der Wende sehr angesehen, und schlagartig nicht mehr gefragt. Dadurch sind einige ganz schön abgerutscht. Viele SED-Bonzen hingegen wandelten sich quasi über Nacht zu Befürwortern der Marktwirtschaft. Die jammerten nicht. Aber es gab auch viele die an die DDR und den Sozialismus fest geglaubt hatten. Für die brach eine Welt zusammen.
Doch zurück zum Film. Wie gesagt das Stimmungsbild des Filmes kippte und es häuften sich unrealistische und atypische Szenen.
Für eine Frau die acht Monate im Koma lag, wirkte Mutter Kerner erstaunlich frisch nach dem Aufwachen aus dem Koma. Im Krankenhaus war ich mal einen Jugendlichen begegnet, der nach einem Verkehrsunfall 3 Monate im Koma gelegen hatte. Der Typ hat mich jeden Tag aufs neue gefragt, ob ich Arbeit habe. Sein Kurzzeitgedächtnis funktionierte also nur mangelhaft. Filmmutter Kerner hatte solche Probleme kaum.
Auch die Tatsache, daß eine todkranke Patientin, wo jede Aufregung tödlich sein kann, einfach so aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist für mich schwer nachvollziehbar.
Absolut untypisch auch, daß sich ein DDR-Bürger nach alltäglichen Essen wie Spreewaldgurken statt nach raren DDR-Lebensmitteln sehnt. Meine Mutter hätte sich z.B. viel mehr über eine Dose Ananas oder Pilze gefreut. Auch ein Glas Pflaumenmus, Erdnußcreme oder Honig wären reizvoller gewesen als Spreewaldgurken. Und wenn schon Bohnenkaffee im Präsentkorb, dann Mona oder wenigstens Rondo. Meine Großmutter hätte sicher Heißhunger auf Bücklinge oder Heilbutt gehabt und gewitzelt über ein Päckchen Mocca-Fix. Auch die Behauptung das über Nacht alle Ostprodukte aus den Läden verschwunden waren, kann ich nicht bestätigen. Vielleicht war das in Berlin so, in unserer Gegend gab es DDR-Produkte noch längere Zeit. Allerdings 8 Monate nach der Wende waren die meisten Ostprodukte aus den Regalen. Übrigens nach der Währungsunion wurden die Preise oft 1:1 umgestellt. Allerdings waren Wochen zuvor die Preise deutlich gepurzelt. Ein Unding für DDR-Verhältnisse, hatten wir doch immer feste Preise.
Im Film fährt Alex mit einer Schwalbe (Moped) durch die Gegend. Absolut untypisch für DDR-Jugendliche. Wer als Jugendlicher mit dem Moped nicht auffallen wollte, fuhr entweder eine S50 oder S51 (Simson Suhl) oder wenigstens einen Star. Ab 16 konnte man dann die Motorrad-Fahrerlaubnis machen und mit einer ETZ 150 oder ETZ 250 aus Zschopau Eindruck schinden. Mit der Schwalbe fuhren nur alte Männer und Frauen. Im DDR-Fernsehfilm zuckelte immer die alte Krankenschwester Agnes Kraus mit einer Schwalbe durchs Dorf. Auch die Motorradhelme waren Ende der 80er längst nicht mehr so altmodisch wie im Film.
Im Großformat sah ich auch meinen erster Kassettenrecorder. R4100 hieß das Teil, glaube ich.
Den habe ich Anfang der 80er zur Jugendweihe geschenkt bekommen. Ende der 80er gab allerdings schon bessere Geräte mit Kurzhubtasten und Stereoklang (SKR 700). Die sahen jedoch schon sehr westlich aus.
Nie habe ich so häßliche Tapete an einer DDR-Wand gesehen wie in diesem Film. Das waren wohl mehr die wilden 70er im Westen, oder? Die Stuben-Schrankwand war aber ganz im Stil der DDR-Zeit.
Das jemand sein Erspartes zu Hause in der Schublade aufbewahrte, statt es zur Sparkasse zu bringen, war absolut atypisch für DDRler. So etwas machte noch nicht einmal meine damals schon 74-jährige Oma von Kleinkleckersdorf. Warum sollte dann ausgerechnet eine selbstbewußte Berliner Lehrerin so etwas törichtes tun? Wenn sie wenigstens ihr Sparbuch verlegt hätte. Die alten Sparbücher mußten ja damals auch umgetauscht werden. Nein, diese Filmszenen waren reine Effekthascherei.
Ein Film über die DDR ohne Trabant geht offensichtlich nicht. Dabei fuhren längst nicht alle Trabant. Warum wird nicht einmal mit Wartburg, Lada oder Skoda gedreht? Die wurden auch von vielen gefahren. Warum nur immer wieder der Trabi?
Mutter Kerner will fernsehen. Aber warum will sie ausgerechnet immer die Aktuelle Kamera (DDR-Nachrichten) sehen. Die Meisten langweilten die ewigen Planübererfüllungen, Lobfeiern und das stocksteife langatmige verlesen der Nachrichten nur. Außerdem schaut sich eine Frau, die sich für die Alltagssorgen ihrer Mitmenschen interessiert, doch nicht nur die Aktuelle Kamera an, sondern vor allem eine kritische Sendung wie das Prisma. Unterhalten werden möchte Frau Kerner offensichtlich auch nicht. Kein Interesse am "Kessel Buntes" oder an Gunther Emmerlichs "Schokolade"?
Hervorragend gelungen fand ich die Szenen wo Alex Kerner und sein Kollege für "ihre" aktuelle Kamera die Wende neu erfunden haben. Aufgebrachte BRD-Bürger kehren dem dekadenten Konsum den Rücken und suchen Zuflucht in der DDR. Auch die Reaktion von Mutter Kerner war typisch DDR: Wo sollen die nur wohnen? Tja, Wohnraum war knapp in der DDR. (zumindest bewohnbarer). Honecker tritt freiwillig zurück und Sigmund Jähn wird Staatsratsvorsitzender. Unglaublich! Bei dieser verdrehten Wendegeschichte beschlich mich das Gefühl, daß die Filmemachen heimlich ein wenig an eine Neuauflage des Sozialismus mit menschlicherem Antlitz hoff(t)en. Kann man irgendwie verstehen, bei der sozialen Kahlschlagspolitik den die Bundesregierung zur Zeit betreibt. Doch über eines muß man sich im Klaren sein: Die DDR war wirtschaftlich gesehen Pleite. Auch ohne sogenannter "friedlicher Revolution" wäre die DDR früher oder später zugrundegegangen und das auch durch überzogene Sozialpolitik.
Die schauspielerischen Leistungen der Akteure waren alle überzeugend. Herausragend fand ich Daniel Brühl als Alex Kerner. Lediglich die Schauspielerin, welche die Lara spielte hätte etwas mehr Power abbekommen können (z.B. als überzeugte Anhängerin von Gorbatschow und Perestroika).
Der Regisseur hat bei den Dreharbeiten - laut Interview mit Kathrin Saß - großen Wert auf Wahrhaftigkeit gelegt, aber gerade in diesem Punkt mangelte es oft. Die Dramaturgie des Film ist hervorragend. Es reißt einen förmlich mit. Man nimmt Anteil, fühlt mit. Es gab zwar komisch anmutende Situationen zu sehen und zu hören, aber als Komödie empfand ich Good Bye Lenin nicht.
Unterm Strich betrachtet bleibt im wesentlichen nur eine rührselige Beziehung zwischen Mutter und Sohn mit tragischem Ende. Zur Aufarbeitung der DDR, der Wende und Nachwendezeit ist der Film kaum geeignet. Dafür war zu viel falsch, aufgesetzt und zu ostalgisch. Schade eigentlich, denn handwerklich gesehen (Bildführung, Schnitt, schauspielerische Leistungen, Dramaturgie) ist Good Bye Lenin ein Meisterwerk. |
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 | Kerstin (München) [kerstin-s@t-online.de] am 24.03.03 um 14:11 Uhr |
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@Susi
Hallo Susi! :-)
Ja, ich gebe dir ganz Recht, man darf die Vergangenheit der DDR auch nicht verklären!
Aber das tut dieser FIlm ja zum Glück nicht, deshalb kommt er auch sicher so gut an in Ost und West (Schade genug, dass man immer noch diesen Unterschied machen muß).
Das Sortiment in den DDR-Läden war sicher nie so gut, wobei wir in Ostberlin da wahrscheinlich immer noch ganz gut weg kamen i.Vgl. zum Rest der DDR.
IN diesem Film steht die Menschlichkeit im Vordergrund.
Was Alex sich alles einfallen läßt, um seiner Mutter die die "alt-vertrauten Verhältnisse" vorzugaukeln, damit sie keinen Schock kriegt und
nicht gesundheitlich gefährdet wird, ist eine Meisterleistung! Er hat vieles auf den Kopf gestellt
und ein Wahnsinns-Improvisationstalent bewiesen! Dass ja eigentlich seine Mutter sich gerne ganz anders
entschieden hätte (nämlich ihrem Mann in den Westen zu folgen) und dies nur ihren Kindern zuliebe nicht
tat, konnte er ja nicht wissen. Es ging allein darum, ihr - die geschwächt aus dem Krankenhaus kommt -
die Geborgenheit aufrechtzuerhalten, ohne ideologische Prinzipienreiterei. Und dies hier ist der Punkt.
Übrigens - hier noch ein paar DDR-Begriffe aus unserer Zeit (Ende der 70er /Anfang der 80er)
RGW-Raschelparka
- diese war so ein Parka, wie ihn Alex im Film anhat, als er am Tag der DDR auf der Bank
sitzt und Bier trinkt, eine Nachahmung des sog. Armi-Parkas, der damals ungeheuer in Mode war;
wer von den 'Alternativen' in sein wollte, hatte so'n Ding, oder eben die
RGW-Variante (Übersetzung für die Nicht-Eingeweihten: RGW = Rat Für Gegenseitige Wirtschaftshilfe)
Ebefalls kurios war der damalige DDR-Jeans-Ersatzstoff (aus Dralon oder so ähnlichem Material)
Ich hatte eine Jeansjacke, vom Schitt her dem Levis-Modell nachempfunden, aber in so einem komischen
blau-grau, welche so steif war, daß man sie im wahrsten Sinne des Wortes in die Ecke stellen konnte. :-)
Schade, daß ich die weggeschmissen habe, denn genau diese Farbe ist heute wieder total angesagt!
ESP-Unterricht
- dies war das Fach "EInführung in die Sozialistische Produktion" , wir montierten z.B. Heizkissenschalter,
bauten Campingstühle zusammen oder schweißten PVC-Rohre für die Kabelverlegung - fand ich eigentlich gar
nicht so verkehrt das Fach, weil man da einen Einblick in gewisse Zusammenhänge von Produktionsprozessen bekam).
Also, nicht alles war nur schlecht, und darum gehts ja - zu lernen, daß man hier differenzieren muß. Nicht umsonst
ist jetzt der "Grüne Pfeil" eingeführt, diskutiert man darüber, Ganz-Tags-Schulen auch in den alten Bundesländern einzuführen und
die Gesunheitsministerin Ulla Schmid erwägt eine Organisierung des Gesundheitswesens, wie es in der DDR praktiziert wurde
(und welches u.a. im Hinblick auf Vorsorgeuntersuchungen, Kinderimpfungen etc. in internationalem Rahmen vorbildlich war!).
Sonnige Grüße!
Kerstin
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 | Kerstin (München) [kerstin-s@t-online.de] am 23.03.03 um 12:50 Uhr |
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"Good Bye Lenin" ist ein sagenhaft guter Film!
Ein FIlm, der gebraucht wird - denn die "Mauer in den Köpfen" zwischen OSt- und Westdeutschen ist leider immer noch nicht vollständig eingerissen"
Ein Film, der nachträglich hilft - vielleicht- diese "abrupte Wende" zu verarbeiten und ins Positive zu Kehren!
Meine Kindheit habe ich in Ostberlin verbracht, die Schauplätze des Films waren mir nur allzu bekannt. Wir wohnten unweit der Karl-Marx-Alle. Das Ausschmücken, die Marschmusik...usw. zum Tag der DDR - ich mußte echt schlucken, obwohl das nun nicht gerade die Dinge sind, die ich vermisse!
Der Eingang vom "Haus der Gesundheit", die "Mocce" (Mocca-Milch-Eisbar, unser Jugendtreff), das Kino "International"...
Der in der Luft schaukelnde Lenin - waren mir sehr vertraut. Der Lenin stand ja unweit des Friedrichshain, und als Kinder fuhren wir immer Rollschuh um ihn herum, weil der Platz so schön glatt war. Ich hatte mir nie weiter Gedanken um ihn gemacht, er stand da als großer freundlicher Onkel und wir zogen unsere Kreise um ihn.
Ja, und die Lieder! Mann! Bei "unsere Heimat " kriegte ich echt wieder Gänsehaut. Das Lied hatte was, ich habe es gemocht - und es nach so langer Zeit zu hören (so verkitscht es klingen mag) trieb mir die Tränen in die Augen! Ich singe es manchmal heute noch, verstohlen beim Abwasch...
Ja, und dieses russische Lied (wie immer man das auch schreibt) "Sa schto wawschnitza..Wod kak, wod kak.. seremki koslek.." ;-) Tja, auch das hatten wir gesungen, obwohl ich die Bedeutung nie richtig wußte.
Was ich vermisse?
- H-Milch in Dreieckstüten
- Pitiplatsch u. Schnatterinchen (dank "Sandmännchen" auf MDR ja wieder präsent!)
- das grüne Ampelmännchen!
usw...
Aber wir haben zum Glück einen sog. "Ossiladen" in der Nähe, er fast wieder alles im Sortiment hat und sich zu meinem Erstaunen, gerade hier in München großer Beliebtheit erfreut, auch so eine Art "Ratsch-Tante-Emma-Laden" für hier lebende ehem. Ossis ist. :-)
Nochmal zusammengefaßt, der Film sprach mir aus der Seele und war jedes einzelne Papiertaschentuch wert!
Viele Grüße,
- Kerstin -
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